Geschichte und Gegenwart
 


 

Beamten- und
Geschäftshäuser

Die Gründung der Leinenspinnerei und –weberei Droßbach im Jahre 1865 brachte zahlreiche Arbeitsplätze und Einwohner nach Bäumenheim, und einen bescheidenen Wohlstand für die Führungskräfte, die sog. Beamten, der Firma. Sie schuf aber auch die Voraussetzungen für die Erstarkung von Handel und Gewerbe. Auf dieser Grundlage entstanden in Asbach und Bäumenheim um die Jahrhundertwende Wohn- und Geschäftshäuser mit charaktervollen und gefälligen Bauformen und Fassaden. Leider hat davon keines unverändert bis in unsere Tage überdauert. Diejenigen, die den Bombenangriff am 19. März 1945 unbeschädigt überstanden hatten, wurden nach und nach abgerissen oder bis zur Unkenntlichkeit umgebaut.


 

Um die Jahrhundertwende kam der junge Schreinergeselle Karl Bauer nach Bäumenheim und arbeitete bei Zimmermeister Alois Kotter. Bald darauf heiratete er und eröffnete im alten ,,Dunz-Hauseine Bau- und Möbelschreinerei. Schon nach kurzer Zeit florierte das Geschäft so gut, dass Karl Bauer 1907 ein stattliches Wohn- und Geschäftshaus errichten konnte, in dem neben seiner Familie auch einige seiner Gesellen wohnten und ein Ausstellungsraum für seine Möbel untergebracht war. 1920 trat Otto Eggert in das Geschäft ein, das er nach der völligen Zerstörung beim Bombenangriff am 19. März 1945 wieder aufbaute. 1949 aus russischer Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, führte sein Sohn Karl Eggert nach Ablegung der Meisterprüfung den Betrieb mit der Herstellung von Möbeln bis zum Jahre 1972 weiter, dann wurde das Anwesen verkauft.

 

Dieses phantasievoll gestaltete, schmucke Haus wurde von Zimmermeister Alois Kotter im Jahre 1904 entworfen und gebaut. Seinen Namen erhielt es von den langjährigen Besitzern, dem Ehepaar Schauber. Herr Schauber war Prokurist bei der Firma Droßbach.

Nach dem Tod seiner Witwe wurde das Haus 1960 an die Fa. Lely-Dechentreiter verkauft und später von der Fa. Fendt übernommen. 1979 wurde das inzwischen stark heruntergekommene Gebäude abgetragen. Das Grundstück wurde zum Parkplatz für die Fa. Fendt, und ab 1990 für das neue Rathaus.

 

Martin Oberfrank stellte in seiner Bäckerei und Mehlhandlung nicht nur Brot, Semmeln und Brezen her, sondern auch Schaumrollen, Krapfen und Torten – für ein Dorf von der Größe Bäumenheims damals eine Besonderheit. Außerdem betrieb er eine Brennholz- und Kohlenhandlung. Sein bedauernswerter Bäckergeselle musste nach seinem Frühdienst in der Backstube nicht selten noch mit einem Gehilfen an der Laderampe des Bahnhofs einen Waggon Kohle leer schaufeln und in das Lager bringen. Am Samstagnachmittag fuhr er mit einem klapprigem Pferd die schweren Kohlensäcke zu den Häusern der besser begüterten Bürger. Weniger betuchte Leute holten ihr Bündel Holz und einen Zentner Kohlen je nach Bedarf und entsprechend ihrer jeweiligen Zahlungsfähigkeit mit dem Leiterwägelchen ab.

1898 kam Alois Kotter von Hamlar nach Asbach und gründete dort eine Zimmerei. Er fertigte nicht nur Dachstühle und Holzbauten, sondern entwarf und errichtete mit seinen Leuten auch Wohnhäuser. Das Geschäft entwickelte sich derart erfolgreich, dass Alois Kotter
sich im Jahre 1927 entschloss, eine Dampfmaschine zu kaufen um ein Sägewerk einzurichten. Seine größte Ausdehnung erlebte der Betrieb 1950, als er nicht weniger als 33 Beschäftigte zählte. Heute wird er in der 3. Generation von Franz Kotter geführt.

Um 1900 ließ sich Andreas Narr, der Steffenbauer von Hamlar, dieses geschmackvoll gestaltete Gebäude von Alois Kotter als Austragshaus erbauen. Es war die überwiegende Zeit seines Bestehens vermietet. Lange Zeit wohnte darin Leonhard Straßer mit seiner Familie. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass sich allmählich der Begriff ,,Straßer-Haus einbürgerte.

Im Jahre 1909 schenkte Oskar Mey seinem verdienten Hechelmeister Anton Rauch den Bauplatz an der Schmutter, auf dem dieser sein ansehnliches Wohnhaus errichtete, dessen Stil maßgeblich von Mey beeinflusst wurde. Sein Sohn Werner eröffnete 1930 ein Malergeschäft, das heute von seinen Nachkommen betrieben wird. Obwohl das Haus den Bombenangriff am 19. März 1945 fast heil überstanden hatte, wurde es beim Sprengen der Schmutterbrücke durch die Waffen-SS am 25. April 1945 schwer beschädigt. Im kleinen Häuschen links daneben wohnte Utz Lukas mit seiner Familie. Im Jahre 1978 wurde es von der Fa. Rauch aufgekauft und abgebrochen, um eine Lagerhalle zu errichten

Im Jahre 1891 baute der Privatier Josef Kotter diese Villa für sich und seiner jungen Frau. Den vorderen Teil des Grundstückes erwarb er von der Fam. Girstenbrey/Kraus, der hintere Teil war der ,,Metzgeracker". Als Privatier, dem das Wiebelhaus und 30 Tagwerk Torfstich gehörten, war Herr Kotter (der Großvater von Frau Rössner) wohlhabend genug, um dieses ansehnliche Gebäude zu erstellen. Im hinteren freien Grundstück pflanzte er fast 100 Obstbäume ein. Als 1921 Josef Kotter starb und seine Witwe Katharina Kotter durch die Inflation mittellos geworden war, eröffnete sie im rückwärtigen Teil des Grundstückes eine Kohlenhandlung. Vom Bahnhof wurden die Kohlen geliefert. Mit Handwägelchen holten sie die Kunden. Das prächtige Gebäude war 1904 sogar Motiv für eine Postkarte. Beim Bombenangriff am 19. März 1945 wurde das Haus völlig zerstört. Dabei verloren 14 Menschen ihr Leben, darunter viele Besucher, die Bürgermeister Josef Bayerle zum Namenstag gratulieren wollten.

Schon um 1890 führte der angesehene Handelsmann Herr Wiebel zusammen mit seiner stets freundlichen und hilfsbereiten Frau ein Kaufhaus mit einem reichhaltigen Warensortiment. Im blitzsauberen Verkaufsraum mit den schwarz-weißen Bodenfliesen bekam man Lebensmittel, Kleiderstoffe, Wolle, Bettwäsche, Knöpfe, Stricknadeln und vieles andere mehr. Probleme mit Verpackungsmüll gab es damals noch nicht. Die Lebensmittel wie Mehl, Nudeln, Erbsen wurden in Schubladen aufbewahrt und mit der Schaufel in Papiertüten abgewogen, Heringe und Essiggurken aus dem Fass geholt und in Pergamentpapier eingewickelt, Gemüse in Zeitungspapier eingeschlagen oder lose in die Einkaufstasche gelegt. Die Tochter Anna Wiebel führte das Geschäft noch bis 1946. Dann verkaufte sie das Haus an die Fa. Mey, die es für Wohnungen ausbaute und mit Dachgauben versah. 1978 wurde das völlig verwahrloste Gebäude von der Firma SWF abgebrochen

1892 ließ sich Oskar Mey, ab 1895 Besitzer der Leinenspinnerei und Weberei Droßbach & Co., eine Villa erbauen, deren schlichte Eleganz noch heute beeindruckt. Ihre klassizistischen Stilelemente zeigen die Vorliebe ihres Eigentümers für die hellenische Kultur. Er war ein begeisterter Förderer der Archäologie, der Ausgrabungen in Kleinasien veranlasste und finanzierte. Umso verwunderlicher ist es, dass er 1913 das gefällige Aussehen seines Domizils durch einen pompösen Anbau auf der Südseite verunzierte. Beim Bombenangriff wurde der Erweiterungsbau mitsamt dem Ostflügel des Hauses zerstört. Erst 1960 wurde die Villa in ihrer ursprünglichen Gestalt wieder hergestellt. 1963, beim Konkurs der renommierten Fa. Droßbach, kam auch die ,,Mey-Villa" in fremde Händ