Dorfgeschichte - orstchronik

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Hamlar
Unser kleines Dorf und seine Geschichte - von Manfred Wiedemann

Ortsteil Hamlar - Alle Texte und Bilder aus der Festzeitschrift zum 125jährigen Jubiläum

Unser kleines Dorf und seine Geschichte. Je kleiner ein Ort ist, um so weniger ist in der Regel über seine Geschichte bekannt, da die Städte die großen Ereignisse meist für sich buchten und auch die entsprechenden Schreiber hinter ihren Mauern hotten. Auch wenn sich die ,,große” Geschichte oft auf Kosten der Dörfer und ihrer Bürger abspielte. Trofzdem will ich versuchen, mit dem was uns überliefert ist, ein Bild von unserem früheren Hamlar zu zeichnen.
Der Name Hamlar entstand aus dem um 1200 genannten Hameler, das aber 1389 bereits Hamlern geschrieben wurde und als ,,zu den Leuten am Homel” gedeutet wird. Angeblich ist damit eine Ieichte Bodenerhebung (Hamel) gemeint, die sich am Nordwestrand des Ortes befunden haben soll, von der aber heute nichts mehr zu sehen ist. Die angebliche frühere Bezeichnung ,,Hamlach” dürfte damit wohl widerlegt sein und kann nur auf einer falschen Schreibweise beruhen, die auf einer alten Feuerspritze angebracht war. Um nun die Geschichte Hamlars zu ergründen, müssen wir etwas weiter ausholen, denn die Geschichte eines Ortes hängt immer mit der seiner Umgebung zusammen.
Um 600 n. Chr. wurden die Urmarken Mertingen, Genderkingen und Ehingen gegründet. Hamlar gehörte der Urmark Genderkingen an, das Gründungsjahr wird im 12. Jahrhundert gewesen sein, die genaue Jahreszahl bleibt uns jedoch verborgen. Es gilt als sicher, dass Hamlar von verschiedenen Herrschaften gegründet wurde. Darauf weise auch die Bezeichnungen Unterhamlar, das zur Pfarrei Zirgesheim gehörte und Oberhamlar, das der Pfarrei Asbach zugeteilt war, hin. Diese verschiedenen Herrschaften haben wohl zur gleichen Zeit zwei Meierhöfe erbaut.
Der eine Meierhof war der sog. Pöltenhof (heute Schiele Erhard), der sein gesamtes Feld im Westen von Hamlar hatte. Der Hof wurde später geteilt, und so entstand der Stephanbauernhof (heute Krumschmidt). Im Laufe der Zeit wurden den Gärten der beiden Höfe Sölden gebaut, doch hatten diese keinen nennenswerte Feldbesitz. Der zweite Meierhof, gen. Heisbauernhof (heute Ost) war der Grundstock der zweiten Siedlung.
Das Feld dieses Hofes lag im Osten des heutigen Hamlar. Auch dieser Hof wurde geteilt; aus ihm ging der Fischerbauernhof (Geis) hervor. Die riesigen Gärten und der Dorfanger boten genügend Platz, so dass auch hier Sölden entstehen konnten. Auf die einzelnen Höfe und Sölden komme ich später noch zurück. Bis zum Ende des Mittelalters übten die Marschalle von Oberndorf größere oberherrliche Rechte aus, was auf einen Siedlungszusammenschluss mit Genderkingen hinweist. Dagegen behauptet Asbach im Jahre 1583 seit jeher das Weiderecht bis zum Weiler Hamlar und ringsum besessen zu haben. Tatsächlich hatten beide Orte eine gemeinsame Viehweide, die erst um 1770 geteilt wurde.
Doch nun zu wichtgeren Dingen:
Hamlar unterstand in der Gerichtsbarkeit im wesentlichen der Reichspflege Wörth (Donauwörth), zum kleineren Teil auch dem Patrinomalgericht Heilig-Kreuz. Doch gab es vieie Zins- und Zehentherren in Hamlar, so dass den Bauern die Bäume nicht in den Himmel wuchsen. Die Hospitstiftung in Augsburg war aber die bedeutenste. Die Reichspflege Wörth entstand Ende des 12. Jahrhunderts, also in der Zeit der Gründung Hamlars nach dem die Mangolde ausgestorben waren und der Pfalzgraf Friedrich auf Wörth verzichtete. Die Ortsgeschichte Hamlars kann nicht ohne die Geschichte Wörths oder Werds gesehen werden, denn die Vogtei Werd umfasste neben der Stadt vor allem ihr südliches Umland. Geleitet wurde die Vogtei von einem königlichen Vogt. Damit war mit verschiedenen anderen Orten Hamlar aus der hohen Gerichtsbarkeit der umliegenden Grafschaften ausgeschieden und gehörte zu einem eigenen Hochgerichtsbezirk.
Eine Sonderentwicklung und Sondersiedlung der Vogtei in enger Verbindung mit der Stadt Werd war die Folge. Konradin, der letzte Staufe, verpfändete und übergab den Besitz seinem Oheim Herzog Ludwig II., dem Strengen. Zu seinem Beinamen, der ihn sicher auch allgemein charakterisierte, kam er durch die Hinrichtung seiner Gattin Maria von Brobant. Hier schließt sich ein Kreis, denn diese Geschichte ist sicher uns allen aus dem Geschichtsunterricht noch in bester Erinnerung. Wie mag der Herzog wohl mit seinen Untertanen, die unsere Vorfahren waren, umge-
sprungen sein, wenn er seine Gattin wegen des Verdachts eines Seitensprungs enthaupten ließ, noch dazu, wo sich später die Unschuld dieser ehrbaren Dame herausstellte.


 
Copyright 2016. All rights reserved.
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü