Dr. Oskar Mey - orstchronik

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Heimatbuch 1987
Dr. Oskar Mey — dominierende Persönlichkeit um 1900

Dieter Götz

Dr. Oskar Mey kam 1894 nach Bäumenheim und übernahm bald die Firmenleitung der Leinenspinnerei und Weberei Droßbach und Co. Von ihm gingen wichtige Impulse für die Entwicklung des Ortes auf wirtschaftlichem, kulturellem und sozialem Gebiet aus. Dr. Mey war von der Jahrhundertwende bis Ende der zwanziger Jahre in Bäumenheim eine äußerst einflussreiche Persönlichkeit und genoss bei den älteren Einwohnern einen fast legendären Ruf. Gelegentlich wurde er sogar in Anerkennung seiner Position als ,,König von Bäumenheim” tituliert.
Dr. Mey besaß nicht nur außergewöhnliche finanzielle Mittel, sondern auch Durchsetzungsvermögen und einen erstaunlichen ldeenreichtum, der sich nicht nur auf ein Gebiet beschränkte. Wohlstand und Unabhängigkeit ermöglichten es ihm, spontane Einfälle ohne Rücksicht auf die Kosten in die Tat umzusetzen. Neue Erfindungen, die ihm zusagten, nutzte er sofort für seinen Betrieb oder für sich persönlich. Durch ihn erfuhren die armen Arbeiter auch, was sich in der Welt eigentlich alles abspielte. Dr. Mey war z.B. Ballonfahrer, hatte eines der ersten Automobile, reiste viel, finanzierte Ausgrabungen in Griechenland und in der Türkei und besaß den Telephonanschluss Nr. 1 im Bereich Donauwörth.
Oskar Mey wurde am 2. Marz 1866 in Bünauburg, Bezirk Tetschen, Nordböhmen, geboren. Er verlebte seine Jugend in Weiler im Allgäu, besuchte dann das Gymnasium St. Anna in Augsburg und studierte an der Universität München und der Technischen Hochschule Dresden. Nach einer praktischen Ausbildung als Ingenieur trat er in die von seinem Großvater Max Droßbach gegründete Spinnerei und Weberei in Bäumenheim ein, in der er 45 Jahre lang tätig war. Im Jahre 1894 übernahm er von seinem Onkel und seinem Vater die Firma und leitete sie als persönlich haftender Gesellschafter und Betriebsführer bis zum Jahre 1937, als ein Altersleiden ihn zwang, von der Leitung zurückzutreten und die Firma seinem Sohne zu übergeben. Im Laufe seiner langen Berufstätigkeit wurden ihm zahlreiche Ehrungen zuteil. In der Textilbranche war sein Name als der eines Könners von Format weitum bekannt und hoch geschätzt. Nachdem Oskar Mey die Firmenleitung übernommen hatte, begutachtete er die Lage der Arbeiter und die Situation des Unternehmens und ging daran, sie zu verbessern.
Er gründete einen Kindergarten mit dem Namen ,,Sonnenblume”. Dadurch ermöglichte er arbeitenden Frauen, ihre Kinder zeitweise in Obhut zu geben. Fiir die Gründung des ersten SäugIings- und Kinderheimes in einem bayerischen Industriebetrieb erhielt er den Titel Kommerzienrat.
Kommerzienrat Dr. Mey ermöglichte es auch, dass man in einem von ihm gegründeten Konsumverein preisgünstig einkaufen konnte. So ergab sich eine Senkung der Lebenshaltungskosten, und dies erleichterte dem Arbeiter das Auskommen mit dem spärlichen Lohn.
Sehr bemüht war Dr. Mey um die Förderung der Geselligkeit in Asbach-Bäumenheim. Schon im Jahre 1894 entstanden auf Meys Anregung der Sportverein und der Gesangverein, den er selbst als Vorstand bis I918 energisch führte.
Bei den Vereinen kam Dr. Mey entgegen; vor allem den Gesangverein unterstützte er mit großzügigen Spenden. 1895/96 ließ Mey die ,,Consumwirtschaft” mit einem großen Saal und einer Bühne bauen. Dadurch waren die Voraussetzungen für öffentliche Veranstaltungen und Aufführungen gegeben. Ab 1898 veranstaltete man im Saal der Consumwirtschaft alljährlich Unterhaltungsabende und Faschingsbälle mit einem reichhaltigen, bunten Programm aus Gesangs- und Theaterdarbietungen. Da sich Dr. Mey bei solchen Anlässen sehr großzügig zeigte, konnten die Feiern aufwendig und eindrucksvoll gestaltet werden. Ein Ball war damals ein Höhepunkt im Ortsleben; die Einwohner warteten gespannt darauf. Man kannte sonst keine Unterhaltung, denn Rundfunk und Fernsehen lagen noch in weiter Ferne. Aus Wenzel Bönischs Notizen stammt die Beschreibung besonders attraktiver Veranstaltungen: ,,Anlässlich der Italienischen Nacht war die unter der Bezeichnung ,Engele‘ bekannte Wiese auf einmal verzaubert. Unzählige Lichter flammten in dem Strauchwerk. An den Ufern der Schmutter flackerten in der windstillen Nacht kleine Talglichtlein. Einer besonders auffälligen Beleuchtung erfreute sich der kleine Wasserfall, seine eigenen Tropfen funkelten auch wie Lichtlein. Alt und jung stürmte herbei und bestaunte dieses ungewohnte Bild in auffallend feierlicher Ruhe.
Diese wurde unterbrochen durch aus der Ferne klingenden Gesang. Bald gewahrte man aus derselben Richtung roten Lichterschein. Dann kam still wie ein Schwan eine prächtig geschmückte Gondel dahergeschwommen, darinnen wie traumverloren weiß gekleidete Mädchen, am Bug sprühte eine Magnesiumfackel, am Steuer lehnte ein weiß gekleideter Gondoliere mit pechschwarzem Schnurrbart. Dem Boote folgte ein zweites, ein drittes, und alle verschwanden im Dunkel des Ufergebüsches auf Nimmerwiedersehen. Darauf erscholl deutscher Sang, gewürzt durch deutschen Gratistrank, doch setzte die zunehmende Kühle der Nacht der Festlichkeit ein frühes Ende.“



 
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