Flüchtlingszeit - orstchronik

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Flüchtlingszeit
Nach der Vertreibung 1945 aus dem Sudetenland (ich war 1 Jahr alt) zogen wir in ein Aufnahmelager nach Tagmersheim (dort wo die berühmte Doris Köpf-Schröder beheimatet war). Nach 1- bis 2-jährigem Aufenthalt wurden wir in extra für uns neu gebauten Holzbaracken nach „Bäume“ umgesiedelt. Erstmals erinnern kann ich mich eigentlich erst, als ich sechs Jahre alt war. Wir hatten nette Nachbarn (zur linken Seite die Familie Kohl/Horbach/Graser) und zur rechten Seite die Familie Lecker. Herr Lecker war damals der große Macher der Dechentreiter Blaskapelle und übte in jeder freien Stunde das eine oder andere Instrument. Den alten Volksempfänger (so hieß damals das Radio) konnte man angesichts der Musikproben eigentlich ausgeschaltet lassen. Neben Kohls waren die Schöttners, die immer einen Witz auf Lager hatten. Uns schräg gegenüber stand das einzige Mauerhaus. Dort wohnten die Burgers. Burgers hatten auch den größten Garten. Neben unserer Baracke standen quer die Schuppen in Reih und Glied wo jeder sein Holz hackte. ... Und dann die Toiletten ...... schnell vergessen !! Jeder hatte vorne und hinten sein Gärtchen und wenn man schon sonst nicht viel hatte, aber das Gärtchen wurde gepflegt und eine Pflanzentauschbörse gab es untereinander damals schon. Nördlich der Baracken entstanden schöne Siedlungen. Die Familien Beck, Fraunhofer, Harle usw. waren freundliche und hilfreiche Familien zu denen man immer kommen konnte, wenn es an was fehlte. Der Beck Dieter und der Harle Hans waren meine Freunde, genauso wie der Hase Peter, dessen Baracke nordöstlich von uns aus gesehen stand. Hinter den Hases verlief der Steglesgraben. In den Büschen wurde das eine oder andere Lager gebaut. Zum Fußballspielen ging es über den Steglesgraben auf die Wiese, wo halt dann der Ball des öfteren im Graben landete. In den 50ger Jahren kam dann nach und nach der Abschied aus den Baracken, denn sehr viele zogen ins eigene Haus in der Adalbert Stifter Strasse. So auch ich mit meinen Eltern. Von wo ich dann später zu Fuß in meine Lehrstelle zum Sigel ging und das Buchdruckerhandwerk erlernte. Trotz der vielen Entbehrungen die wir hatten, war es doch eine schöne Jugendzeit im ,,Barackenviertel", an die ich mich gerne erinnere. 1971 zog ich dann nach Königsbrunn
 Beitrag von Kurt Aue  (Jahrg. 1944) jetzt Königsbrunn
 
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