Meine Familie - orstchronik

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Jugenderinnerung
Wie man sich als Flüchtlingsfamilie in Asbach-Bäumenheim integrierte

Nach langen Irrfahrten durch die Vertreibung aus Schlesien kamen meine Mutter, Oma und Onkel Helmut im März 1946 nach Bäumenheim.
Als gelernte Textilarbeiter hatte sie die Firma Droßbach aus dem Lager in Augsburg geholt. Sie bekamen im damaligen „Russenhaus“ eine Ein-Zimmer-Wohnung zugewiesen. Als dann später auch noch Mutters Geschwister Heinz und Grete mit ihrem Mann nachkamen, waren zwar sieben Personen in dem Zimmer, aber man war glücklich, wieder beisammen zu sein.
Vater kam aus Gertianosch/Rumänien und wusste, dass seine Familie in Bäumenheim untergekommen war. So machte auch er sich auf den beschwerlichen Weg und musste die ganze Strecke von Rumänien zu Fuß zurücklegen. Nachdem in Bäumenheim die Baracken am Steglesgraben von den französischen und russischen Kriegsgefangenen geräumt worden waren, wurden hier ca. 100 Menschen und zwar hauptsächlich aus der Gegend von Gertianosch (Kr. Temesburg, rumänisches Banat) untergebracht.
Schnell lebte man sich in der neuen Heimat ein. Beim Samstagstanz im Unterwirt lernte Mutter meinen Vater Josef (Josch) kennen. Am 14. Mai 1948 heirateten meine Eltern. Die Hochzeitsfeier wurde im Zimmer meiner Oma im ,,Roten Haus“ mit Kapelle gefeiert. Zu diesem Anlass war auch die gesamte Verwandtschaft gekommen.

Alle hatten sie Arbeit und ein neues Zuhause gefunden. Da gab es natürlich viel zu erzählen. Wie Oma damals ein Hochzeitsmenue mit Suppe, Kaninchenbraten und Kuchen organisierte, war schon eine Meisterleistung. Die Kaninchen hatte sie selber im Stall, und für die Beilagen ging sie zum Bauern. Im Januar 1948 bekam meine Mutter durch die Firma Droßbach endlich eine eigene Ein-Zimmer-Wohnung im ,,Mädchenheim“. Hier kam auch ich, als einziger Sohn am 17. März 1948 zur Welt. Alles spielte sich im Mädchenheim in einem Zimmer ab.

Umzug nach Asbach
Anfang der 1950er wurden im Mittelsteig drei Sozialblöcke gebaut. Der erste Block war der sogenannte ,,Meyblock“, dann der „Gemeinde- und der Dechentreiterblock“. Hier hatten wir endlich eine 3-Zimmer-Wohnung, für die man 1000 Mark hinterlegen musste. Für die damalige Zeit war das viel Geld. Vater hatte jetzt mehr Platz für seine Schneiderei, was auch gleichzeitig die Küche war. Hier schneiderte er jetzt Anzüge und Mäntel. 1962 hörte er mit der Schneiderei auf und ging in die damalige WMD. Nachdem die Firma Droßbach (1963) Insolvenz anmeldete fing auch meine Mutter in der WMD an, wo beide bis zur ihrer Rente arbeiteten.

Endlich ein eigenes Haus
1958 bezogen wir endlich unser eigenes Haus in der Donauwörther Straße. Jetzt hatte ich auch ein eigenes Zimmer. Viele Jungs und Mädels die hier wohnten, kannte ich schon von der Schule. Schnell hatte ich wieder Anschluss gefunden und war somit wieder ein „Bäumener“. Das war die Zeit der „Bandenkriege“, die meistens im nahen „Prassler Wäldchen“ (heute Grünsammelplatz) mit Pfeil und Bogen ausgetragen wurden.
Schon mit acht Jahren trat ich dem TSV bei, erst als Turner und später als Fußballer. Die „Fußballer“ hatten damals noch weite Wege zu den Auswärtsspielen. Abfahrt war meistens beim Gasthaus Merz. Es war immer ein tolles Erlebnis, wenn man im Bus oder Auto einen Platz bekam. Bei den Heimfahrten wurde dann kräftig gesungen, egal ob Sieg oder Niederlage.
 
Copyright 2016. All rights reserved.
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü