Pfarrer Josef Dunau - orstchronik

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Heimatbuch 1987
Geistlicher Rat Josef Dunau

Quirin Wegele
Ein herzhafter Mann, der in Asbach uralt wurde”, so charakterisierte treffend und humorvoll Dekan Hitzler in Anspielung auf einen weltweit bekannten Weinbrand den Geistlichen Rat Josef Dunau bei der Feier seines 60jährigen Priesterjubiläums im Oktober 1970.
Er war aber auch ein Mann, der in seinem über 50jährigen Wirken in unserer Gemeinde und weit darüber hinaus eine Popularität erlangte wie kein Bürger je zuvor. Josef Dunau wurde am 21. Oktober 1886 als fünftes von neun Kindern einer Bauernfamilie in lnchenhofen bei Aichach geboren. Nach seinem Studium an der Universität München und am Priesterseminar Dillingen erhielt er am 20. Juli 1910 die Priesterweihe. Als er am 4. November 1920 die Pfarrstelle in Asbach antrat, fand er keineswegs beneidenswerte Verhältnisse vor: eine viel zu kleine, sanierungsbedürftige Kirche, einen altersschwachen Pfarrhof und eine Kirchengemeinde, die nicht gerade wegen übertriebener Frömmigkeit bekannt war.
Er ließ sich aber durch diese wenig erfreulichen Zustände nicht entmutigen, sondern begann sofort unbeirrt und tatkräftig, sie zu verbessern. Er scheute sich nicht, als Bettelprediger durchs Land zu ziehen, um Spenden für die Erweiterung seiner Dorkirche zu sammeln. Durch seinen unermüdlichen persönlichen Einsatz und durch sein leutseliges Wesen gelang es ihm schon bald, auch seine Pfarrgemeinde zur Mithilfe für sein großes  Werk zu gewinnen. Vor allem die Bauern trugen durch die Bereitstellung von Baumaterial und Getreide erheblich zum Gelingen bei. Trotz Inflation und Wirtschaftskrise schaffte Pfarrer Dunau das fast Unmögliche. Bereits im Oktober 1922 konnte das beträchtlich vergrößerte Gotteshaus eingeweiht und 1928 ein repräsentativer Pfarrhof errichtet werden.
Die Leidenschaft fürs Bauen begleitete ihn bis an sein Lebensende. Immer wieder fand er einen Anlass zum Ändern, Verschönern und Neugestalten seiner Kirche und ihrer Einrichtung, und auch das Murren seiner Gläubigen hielt ihn nicht davon ab, diese immer wieder aufs neue um Spenden anzugehen. Selbst als er erkennen musste, daß sein ganzes Lebenswerk geopfert und dem Erdboden gleichgemacht werden musste, um Platz zu schaffen für das unumgänglich gewordene moderne Pfarrzentrum, resignierte er nicht. Noch 1969 stimmte er den vorgelegten Plänen zu und rief zu einer weiteren großen Spendenaktion auf, um ein neues Kapitel in der Kirchengeschichte Asbach-Bäumenheims einzuleiten.
Die Ausführung des Vorhabens erlebte er jedoch nicht mehr: am 21. Juni 1971, nach einem rastlosen und arbeitsreichen Leben für seine Gemeinde, wurde er kurz vor Vollendung seines 85. Lebensjahres heimgeholt zur ewigen Ruhe. Obwohl von seiner umfangreichen Bautätigkeit nur noch die Aussegnungshalle übriggeblieben ist, hat sich Geistlicher Rat Josef Dunau dennoch ein bleibendes Denkmal gesetzt - in den Herzen und in der Erinnerung seiner Pfarrkinder. Denn unvergessen ist seine herzliche, volkstümliche Art, mit der er den Angehörigen seiner Pfarrgemeinde begegnete, sein urwüchsig-geistvoller Humor, mit dem er nicht nur zu erheitern, sondern auch zu trösten und aufzurichten verstand. Unvergessen sind aber auch sein unbeugsamer Wille und seine enorme Energie und Tatkraft, mit denen er den Schwierigkeiten trotzte, die sich seinen Plänen entgegenstellten. Und noch immer im Gedächtnis sind seine hartnäckigkeit und Unerschrockenheit, mit denen er in seinen Predigten gesellschaftliche Missstände anprangerte, auch wenn dies den Unmut vieler seiner Zuhörer herausforderte und er im Dritten Reich mehrmals riskierte, dafür ins Konzentrationslager abgeführt zu werden.
Immer und fast überall war er aktiv: in der Kirche, in der Schule, in den beiden Fabriken, aber auch in der kommunalen und ,,großen” Politik, wobei letzteres keineswegs ungeteilte Freude hervorrief. Er verstand es, die Sympathie eines Großteils der Jugend zu gewinnen und bemühte sich besonders um die Anliegen der in unserer Gemeinde wohnhaften Arbeiter, denen er mit der Gründung des ,,Werkvölkverbands” im Jahre 1961 eine geistige Heimat zu schaffen versuchte.
Josef Dunau war zweifellos eine markante Persönlichkeit, die nicht nur durch stattlichen Wuchs aufflel, sondern vor allem durch außergewöhnliche Charaktereigenschaften aus der Alltäglichkeit herausragte, mit ihren Ecken und Kanten aber auch mancherlei Angriffsflächen bot. Die Gemeinde Asbach-Bäumenheim  bezeugte ihm ihre Achtung und Dankbarkeit für seinen mehr als fünf Jahrzehnte währenden unermüdlich ausgeübten Dienst durch seine Nominierung zum Ehrenbürger am 7. September 1950 anlässlich seines 50. Priesterjubiläums. Außerdem trägt ihm zu Ehren eine der bedeutendsten Straßen, der Josef-Dunau-Ring, seinen Namen.

 
Copyright 2016. All rights reserved.
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü