Geschichte und Gegenwart
 


Bürgermeister Joseph Müller  Johann Ruider

Die Amtszeit (August 1918 bis Mai 1933) war geprägt von den Wirren des Ersten Weltkriegs und der Zeit danach, der Inflation, der Weltwirtschaftskrise und reichte bis in die Tage des Dritten Reiches bzw. des Nationalsozialismus.
Als tatkräftiger und weltvorausdenkender Bürgermeister stand er den technischen und wirtschaftlichen Umwälzungen jener Epoche aufgeschlossen gegenüber. Dabei hat er die menschlichen Probleme seiner Mitbürger nicht aus den Augen verloren.
In seine Amtszeit fielen u. a. zahlreiche Straßenbaumaßnahmen, die Elektrizifierung der Gemeinde und der Erweiterungsbau der Pfarrkirche. Auch die Königsmühle wurde während seiner Bürgermeisterzeit eingemeindet. Müller war eine Persönlichkeit, die selbst außerhalb der Gemeinde Rang und Namen hatte. So war er z.B. auch als Kreisbrandmeister tätig. In Anbetracht seines 25jährigen Wirkens als Kassier, Beigeordneter und Bürgermeister wurde er durch einstimmigen Beschluss des Gemeinderates am 22.2.1925 zum Ehrenbürger ernannt.
Die Notstandsverordnung der Reichsregierung setzte 1933 der Tätigkeit dieses Mannes ein Ende. Ein Nichtparteimitglied war damals als Bürgermeister nicht mehr genehm. Althergebrachte Werte hatten ihre Gültigkeit verloren. In einer überraschend angesetzten Aktion wurden die Gemeindeunterlagen beschlagnahmt und abtransportiert.
Für Josef Müller brach damit seine Welt zusammen. Diesen radikalen Einschnitt hat er nicht lange überlebt. Der Ehrenbürger verstarb am 1.1. 1935, kaum mehr als 65 Jahre alt.


Pfarrer Kürzinger     Hans Eichhorn

Franz Xaver Kürzinger, geboren am 6. November 1870 in Untergrafenried (Opferpfalz), kam im November 1897 als Pfarrvikar nach  Asbach.

Sein Wirken als Seelsorger (Pfarrer seit 10. Juli 1902) währte nahezu 23 Jahre. Ein Jahr vor seiner Versetzung nach Dinkelscherben verlieh ihm der Gemeinderat Asbach aus Anlaß seines 25jährigen Priesterjubiläums und ,,seiner 22jährigen segensreichen Tätigkeit in der Gemeinde” das Ehrenbürgerrecht. lm damaligen Gemeinderatsprotokoll (vom 20. Juli 1919) ist vermerkt: ,,Die jetzigen Zeitverhältnisse gestatten eine größere weltliche Feier nicht.”
Zum Abschied im August 1920 gab es dagegen eine ,,sehr herzliche Feier”. Nach dem Bericht des ,,Donauwö6rther Anzeigenblattes” war es ein rührender und herzergreifender Abschied, wobei sowohl die Schuljugend als auch der Gemeinderat, die Kirchenverwaltung und Abordnungen sämtlicher Vereine erschienen waren.
,,Als erster ergriff‘ hier Herr Bürgermeister Müller das Wort. Er schilderte die Verdienste, die der Scheidende während seines 23jährigen Wirkens in hiesiger Gemeinde sich erworben hat, und in warmen Worten dankte er ihm im Namen der Gemeinde Für seine ersprießliche und segensreiche Tätigkeit. Noch weitere fünf Redner brachten den Dank der Arbeiter- und Bürgerschaft zum Ausdruck. Ernste und heitere Lieder des sehr gut geschulten Kirchenchores wechselten mit den frohen Weisen der Musikkapelle, und nur zu rasch verflossen die schönen Stunden. Diese Feier hat so recht gezeigt, welch ideales Verhältnis zwischen Seelsorger und Gemeinde bestand. Nur sehr schweren Herzens sieht die Gemeinde Asbach Herrn Pfarrer Kürzinger scheiden. 
Möge sich der Scheidende in Dinkelscherben der gleichen Beliebtheit erfreuen!” (,,Donauwörther Anzeigenblatt”, 18. 8. 1920.) Von August 1920 bis zum Jahre 1946 wirkte unser Ehrenbürger als Pfarrer in Dinkelscherben. Er starb am 2. Juli 1951 im wohlverdienten Ruhestand.


Geistlicher Rat Josef Dunau   Quirin Wegele

Ein herzhafter Mann, der in Asbach uralt wurde”, so charakterisierte treffend und humorvoll Dekan Hitzler in Anspielung auf einen weltweit bekannten Weinbrand den Geistlichen Rat Josef Dunau bei der Feier seines 60jährigen Priesterjubiläums im Oktober 1970.
Er war aber auch ein Mann, der in seinem über 50jährigen Wirken in unserer Gemeinde und weit darüber hinaus eine Popularität erlangte wie kein Bürger je zuvor. Josef Dunau wurde am 21. Oktober 1886 als fünftes von neun Kindern einer Bauernfamilie in lnchenhofen bei Aichach geboren. Nach seinem Studium an der Universität München und am Priesterseminar Dillingen erhielt er am 20. Juli 1910 die Priesterweihe. Als er am 4. November 1920 die Pfarrstelle in Asbach antrat, fand er keineswegs beneidenswerte Verhältnisse vor: eine viel zu kleine, sanierungsbedürftige Kirche, einen altersschwachen Pfarrhof und eine Kirchengemeinde, die nicht gerade wegen übertriebener Frömmigkeit bekannt war.
Er ließ sich aber durch diese wenig erfreulichen Zustände nicht entmutigen, sondern begann sofort unbeirrt und tatkräftig, sie zu verbessern. Er scheute sich nicht, als Bettelprediger durchs Land zu ziehen, um Spenden für die Erweiterung seiner Dorkirche zu sammeln. Durch seinen unermüdlichen persönlichen Einsatz und durch sein leutseliges Wesen gelang es ihm schon bald, auch seine Pfarrgemeinde zur Mithilfe für sein großes  Werk zu gewinnen. Vor allem die Bauern trugen durch die Bereitstellung von Baumaterial und Getreide erheblich zum Gelingen bei. Trotz Inflation und Wirtschaftskrise schaffte Pfarrer Dunau das fast Unmögliche. Bereits im Oktober 1922 konnte das beträchtlich vergrößerte Gotteshaus eingeweiht und 1928 ein repräsentativer Pfarrhof errichtet werden.
Die Leidenschaft fürs Bauen begleitete ihn bis an sein Lebensende. Immer wieder fand er einen Anlass zum Ändern, Verschönern und Neugestalten seiner Kirche und ihrer Einrichtung, und auch das Murren seiner Gläubigen hielt ihn nicht davon ab, diese immer wieder aufs neue um Spenden anzugehen. Selbst als er erkennen musste, daß sein ganzes Lebenswerk geopfert und dem Erdboden gleichgemacht werden musste, um Platz zu schaffen für das unumgänglich gewordene moderne Pfarrzentrum, resignierte er nicht. Noch 1969 stimmte er den vorgelegten Plänen zu und rief zu einer weiteren großen Spendenaktion auf, um ein neues Kapitel in der Kirchengeschichte Asbach-Bäumenheims einzuleiten.
Die Ausführung des Vorhabens erlebte er jedoch nicht mehr: am 21. Juni 1971, nach einem rastlosen und arbeitsreichen Leben für seine Gemeinde, wurde er kurz vor Vollendung seines 85. Lebensjahres heimgeholt zur ewigen Ruhe. Obwohl von seiner umfangreichen Bautätigkeit nur noch die Aussegnungshalle übriggeblieben ist, hat sich Geistlicher Rat Josef Dunau dennoch ein bleibendes Denkmal gesetzt - in den Herzen und in der Erinnerung seiner Pfarrkinder. Denn unvergessen ist seine herzliche, volkstümliche Art, mit der er den Angehörigen seiner Pfarrgemeinde begegnete, sein urwüchsig-geistvoller Humor, mit dem er nicht nur zu erheitern, sondern auch zu trösten und aufzurichten verstand. Unvergessen sind aber auch sein unbeugsamer Wille und seine enorme Energie und Tatkraft, mit denen er den Schwierigkeiten trotzte, die sich seinen Plänen entgegenstellten. Und noch immer im Gedächtnis sind seine hartnäckigkeit und Unerschrockenheit, mit denen er in seinen Predigten gesellschaftliche Missstände anprangerte, auch wenn dies den Unmut vieler seiner Zuhörer herausforderte und er im Dritten Reich mehrmals riskierte, dafür ins Konzentrationslager abgeführt zu werden.
Immer und fast überall war er aktiv: in der Kirche, in der Schule, in den beiden Fabriken, aber auch in der kommunalen und ,,großen” Politik, wobei letzteres keineswegs ungeteilte Freude hervorrief. Er verstand es, die Sympathie eines Großteils der Jugend zu gewinnen und bemühte sich besonders um die Anliegen der in unserer Gemeinde wohnhaften Arbeiter, denen er mit der Gründung des ,,Werkvölkverbands” im Jahre 1961 eine geistige Heimat zu schaffen versuchte.
Josef Dunau war zweifellos eine markante Persönlichkeit, die nicht nur durch stattlichen Wuchs aufflel, sondern vor allem durch außergewöhnliche Charaktereigenschaften aus der Alltäglichkeit herausragte, mit ihren Ecken und Kanten aber auch mancherlei Angriffsflächen bot. Die Gemeinde Asbach-Bäumenheim  bezeugte ihm ihre Achtung und Dankbarkeit für seinen mehr als fünf Jahrzehnte währenden unermüdlich ausgeübten Dienst durch seine Nominierung zum Ehrenbürger am 7. September 1950 anlässlich seines 50. Priesterjubiläums. Außerdem trägt ihm zu Ehren eine der bedeutendsten Straßen, der Josef-Dunau-Ring, seinen Namen.


  

Dr. Oskar Mey — dominierende Persönlichkeit um 1900   Dieter Götz

Dr. Oskar Mey kam 1894 nach Bäumenheim und übernahm bald die Firmenleitung der Leinenspinnerei und Weberei Droßbach und Co. Von ihm gingen wichtige Impulse für die Entwicklung des Ortes auf wirtschaftlichem, kulturellem und sozialem Gebiet aus. Dr. Mey war von der Jahrhundertwende bis Ende der zwanziger Jahre in Bäumenheim eine äußerst einflussreiche Persönlichkeit und genoss bei den älteren Einwohnern einen fast legendären Ruf. Gelegentlich wurde er sogar in Anerkennung seiner Position als ,,König von Bäumenheim” tituliert.
Dr. Mey besaß nicht nur außergewöhnliche finanzielle Mittel, sondern auch Durchsetzungsvermögen und einen erstaunlichen ldeenreichtum, der sich nicht nur auf ein Gebiet beschränkte. Wohlstand und Unabhängigkeit ermöglichten es ihm, spontane Einfälle ohne Rücksicht auf die Kosten in die Tat umzusetzen. Neue Erfindungen, die ihm zusagten, nutzte er sofort für seinen Betrieb oder für sich persönlich. Durch ihn erfuhren die armen Arbeiter auch, was sich in der Welt eigentlich alles abspielte. Dr. Mey war z.B. Ballonfahrer, hatte eines der ersten Automobile, reiste viel, finanzierte Ausgrabungen in Griechenland und in der Türkei und besaß den Telephonanschluss Nr. 1 im Bereich Donauwörth.
Oskar Mey wurde am 2. Marz 1866 in Bünauburg, Bezirk Tetschen, Nordböhmen, geboren. Er verlebte seine Jugend in Weiler im Allgäu, besuchte dann das Gymnasium St. Anna in Augsburg und studierte an der Universität München und der Technischen Hochschule Dresden. Nach einer praktischen Ausbildung als Ingenieur trat er in die von seinem Großvater Max Droßbach gegründete Spinnerei und Weberei in Bäumenheim ein, in der er 45 Jahre lang tätig war. Im Jahre 1894 übernahm er von seinem Onkel und seinem Vater die Firma und leitete sie als persönlich haftender Gesellschafter und Betriebsführer bis zum Jahre 1937, als ein Altersleiden ihn zwang, von der Leitung zurückzutreten und die Firma seinem Sohne zu übergeben. Im Laufe seiner langen Berufstätigkeit wurden ihm zahlreiche Ehrungen zuteil. In der Textilbranche war sein Name als der eines Könners von Format weitum bekannt und hoch geschätzt. Nachdem Oskar Mey die Firmenleitung übernommen hatte, begutachtete er die Lage der Arbeiter und die Situation des Unternehmens und ging daran, sie zu verbessern.
Er gründete einen Kindergarten mit dem Namen ,,Sonnenblume”. Dadurch ermöglichte er arbeitenden Frauen, ihre Kinder zeitweise in Obhut zu geben. Fiir die Gründung des ersten SäugIings- und Kinderheimes in einem bayerischen Industriebetrieb erhielt er den Titel Kommerzienrat.
Kommerzienrat Dr. Mey ermöglichte es auch, dass man in einem von ihm gegründeten Konsumverein preisgünstig einkaufen konnte. So ergab sich eine Senkung der Lebenshaltungskosten, und dies erleichterte dem Arbeiter das Auskommen mit dem spärlichen Lohn.
Sehr bemüht war Dr. Mey um die Förderung der Geselligkeit in Asbach-Bäumenheim. Schon im Jahre 1894 entstanden auf Meys Anregung der Sportverein und der Gesangverein, den er selbst als Vorstand bis I918 energisch führte.
Bei den Vereinen kam Dr. Mey entgegen; vor allem den Gesangverein unterstützte er mit großzügigen Spenden. 1895/96 ließ Mey die ,,Consumwirtschaft” mit einem großen Saal und einer Bühne bauen. Dadurch waren die Voraussetzungen für öffentliche Veranstaltungen und Aufführungen gegeben. Ab 1898 veranstaltete man im Saal der Consumwirtschaft alljährlich Unterhaltungsabende und Faschingsbälle mit einem reichhaltigen, bunten Programm aus Gesangs- und Theaterdarbietungen. Da sich Dr. Mey bei solchen Anlässen sehr großzügig zeigte, konnten die Feiern aufwendig und eindrucksvoll gestaltet werden. Ein Ball war damals ein Höhepunkt im Ortsleben; die Einwohner warteten gespannt darauf. Man kannte sonst keine Unterhaltung, denn Rundfunk und Fernsehen lagen noch in weiter Ferne. Aus Wenzel Bönischs Notizen stammt die Beschreibung besonders attraktiver Veranstaltungen: ,,Anlässlich der Italienischen Nacht war die unter der Bezeichnung ,Engele‘ bekannte Wiese auf einmal verzaubert. Unzählige Lichter flammten in dem Strauchwerk. An den Ufern der Schmutter flackerten in der windstillen Nacht kleine Talglichtlein. Einer besonders auffälligen Beleuchtung erfreute sich der kleine Wasserfall, seine eigenen Tropfen funkelten auch wie Lichtlein. Alt und jung stürmte herbei und bestaunte dieses ungewohnte Bild in auffallend feierlicher Ruhe.
Diese wurde unterbrochen durch aus der Ferne klingenden Gesang. Bald gewahrte man aus derselben Richtung roten Lichterschein. Dann kam still wie ein Schwan eine prächtig geschmückte Gondel dahergeschwommen, darinnen wie traumverloren weiß gekleidete Mädchen, am Bug sprühte eine Magnesiumfackel, am Steuer lehnte ein weiß gekleideter Gondoliere mit pechschwarzem Schnurrbart. Dem Boote folgte ein zweites, ein drittes, und alle verschwanden im Dunkel des Ufergebüsches auf Nimmerwiedersehen. Darauf erscholl deutscher Sang, gewürzt durch deutschen Gratistrank, doch setzte die zunehmende Kühle der Nacht der Festlichkeit ein frühes Ende.“

Firmengründer Josef Dechentreiter   Quirin Wegele

Am 19. März 1872 - ein Jahr nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs - wurde Josef Dechentreiter in Asbach geboren. Mit 13 Jahren ging er in die Schlosserlehre nach Donauwörth, um anschließend in der elterlichen Landwirtschaft bzw. im Reparaturhandel mitzuhelfen.
Nach dem Ersten Weltkrieg - zugleich Ende des Lohndrusches mittels Dampfmaschinen - entwickelte Dechentreiter die erste (elektrisch betriebene) Kleindreschmaschine.
Wegen bedeutungsvoller Erfindungen und laufender Verbesserungen war diese Kleindreschmaschine so gefragt, dass schließlich (ab 1928) die Serienproduktion begann. Dechentreiter entwickelte als Pionier der Landmaschinentechnik seine Firma in den zwanziger und dreißiger Jahren zu einem modernen Fabrikbetrieb. Schon im Jahre 1919 zählte der Betrieb einige hundert Angehörige.
Mit der Aufwärtsentwicklung der Firma ,,JD Dechentreiter” war auch der Aufbau bzw. die Vergrößerung unseres Ortes eng verbunden. Neben Straßenausbauten (BetonstraBe zum Bahnhof Bäumenheim - Neue Straße) wurden besonders Wohnungen für auswärtige Arbeitnehmer erstellt (Dechentreiter-Siedlung).
Schon früh sorgte der Firmeninhaber für den Aufbau einer firmeneigenen Berufsschule, welche später in die Berufsschule Donauwörth integriert wurde. Außerdem baute die Firma eine eigene Betriebsgaststätte mit einem repräsentativen Saal als öffentliche Gaststätte, welche der Gemeinde über viele Jahrzehnte für alle Veranstaltungen zur Verfügung stand. Eine eigene Werkbücherei und viele soziale Vergünstigungen bewiesen die arbeitnehmerfreundliche Einstellung des Fabrikanten. Nachdem er 1936 die Betriebsführung an seinen Sohn Josef übergeben hatte, ehrte ihn der Gemeinderat mit der Ehrenbürgerwürde.
Die stürmische Aufwärtsentwicklung des Betriebes in unserem Industriedorf wurde durch den Zweiten Weltkrieg (bis 1945) unterbrochen. Bis in die fünfziger Jahre blieb Ehrenbürger Dechentreiter im Betrieb beratend und unterstützend tätig. Der Strukturwandel in der Landwirtschaft brachte einen erneuten Aufschwung mit dem vom Betrieb entwickelten Mähdrescher.
Diese (weitere) steile Entwicklung seines Unternehmens bis zum Marktführer im bayerischen und deutschen Raum konnte der vielfach Geehrte nicht mehr erleben; er starb am 17. Mai 1952